Interview übernommen aus MEPHISTO # 26 · Verlag Martin Ellermeier · www.mephisto.name![]() Foto: Michael Marrak 2003 Boris Koch im Interview mit Michael Marrak Michael Marrak gehört seit Jahren zu den interessantesten und eigenwilligsten Phantastikautoren Deutschlands. Nach mehreren Büchern und Anthologiebeiträgen in der Small-Press und diversen Auszeichnungen erschien 2002 die Taschenbuchausgabe seines ursprünglich im Shayol Verlag herausgekommenen Romans LORD GAMMA bei Bastei-Lübbe, im Herbst 2003 dann die französische Übersetzung. Im Mai 2004 folgt nun IMAGON bei Bastei-Lübbe, ein Roman der 2002 bei Festa als Hardcover erschienen war. Empfehlenswert ist auch seine Homepage (www.marrak.de), wo sich viele Informationen und die herrlich unterhaltsame Rubrik Panorama finden. Über erschienene Bücher und kommende Projekte sprach mit Michael Marrak Mephisto-Redakteur Boris Koch. Michael Marrak: Im Wesentlichen drei Dinge: Zum einen habe ich mich entschlossen, einen kurzen Prolog, den ich ursprünglich bereits für die Festa-Ausgabe geplant und seitdem in Fragmenten vorliegen hatte, fürs Taschenbuch doch noch zu realisieren. Anderthalb Jahre lang trug ich die Idee dazu mit mir herum, und sie ließ mich einfach nicht los ... Zweitens: Ich habe einige Textkürzungen vorgenommen. Nun, genau genommen ist das Buch nicht wirklich kürzer geworden, sondern die entsprechenden Passagen lediglich lesbarer. Gleichzeitig entstanden auch neue Parts, die den Sachverhalt nun besser beleuchten. Zusammen mit dem Prolog ist der Text daher wieder genauso umfangreich wie zuvor. Gelöscht habe ich alle Anspielungen auf Lovecraft und diverse unnötig ausschweifende Überrecherchen, ebenso (und ganz besonders) den verqueren Taaloq-Mythos, den ich rigoros gekürzt und umgeschrieben habe. Diese ganze Schöpfungslitanei mit ihren zahllosen Namen war ebenso überflüssig wie lesehemmend, zumal man sich den ganzen Quark eh nicht merken konnte - und ehrlich gesagt auch nicht merken mußte. Last but not least: Die Taschenbuchausgabe enthält dreizehn s/w-Illustrationen von Dirk Berger. Bei der Auswahl der Motive haben Dirk und ich versucht, dem Leser nicht zuviel von seiner Phantasie zu nehmen, aber es gab natürlich einige symbolträchtige Bilder, die einfach illustriert werden mußten. Michael Marrak: Nein, es war mein eigener Wunsch. Mein damaliger Fehler war, zu glauben, daß der Roman sich besser in Festas Lovecraft-Reihe eingliedern ließe, indem ich ein paar Brücken zum Mythos und seinem literarischen Schöpfer schlug. Die Geschichte funktioniert jedoch ohne diese aufgesetzt wirkenden Stellen viel besser. Ich habe daher meinen Lektor bei Lübbe überredet, weder auf dem Buchcover noch für das IMAGON-Merchandising auf Lovecraft und den Cthulhu-Mythos zu verweisen, wie man es ursprünglich vorhatte. Die Zielgruppe soll nicht von vornherein eingeschränkt und das Buch in eine Richtung gelenkt werden, aus der es thematisch womöglich nie wieder rauskommt. Es soll sich als moderner Wissenschafts-Horror-Thriller verkaufen, nicht als x-ter Roman eines Lovecraft-Epigonen … Michael Marrak: Nicht ganz. Der Shoggothe darf bleiben … Michael Marrak: Ich bin vielleicht ein wenig schizoid, aber noch nicht schizophren ... James N. Frey empfiehlt in seinem Buch HOW TO WRITE A DAMN GOOD NOVEL die akustische Unterhaltung zwischen einem Autor und seinen Romanfiguren zwecks Abbau von Schreibblockaden. Sich an eine derartige Vorgehensweise zu gewöhnen birgt aber gewisse Risiken. Bei hartnäckigen Schreibblockaden oder zunehmendem Mißerfolg könnte es passieren, daß die Romanfiguren zum "psychologischen Ereignis" mutieren. Sie könnten bei labilen Menschen ein Eigenleben entwickeln und von sich aus mit dem Autor zu sprechen beginnen ... Als weitere Methode, seinen Romanfiguren Profil zu geben und sie kennenzulernen, empfiehlt Frey, sie zu interviewen. Ich muß gestehen, ich praktiziere weder das eine noch das andere. Und mit einem Shoggothen zu diskutieren ist von vornherein relativ zwecklos. Michael Marrak: Mittels Musik. Ich lasse sie dazu in Gedanken agieren, um ihre Handlungen und Gespräche zu koordinieren. Dabei bleiben die Protagonisten jedoch unter sich, ich fungiere lediglich als Zuhörer und Beobachter. Gelange ich beim Schreiben beispielsweise an ein Kapitel, in dem die Figuren ein neuer Handlungsschauplatz mit neuen Charakteren und Dialogen erwartet, ist es an der Zeit, Brainstorming zu betreiben. Zwei schönes Beispiele dafür sind jene beiden Kapitel in LORD GAMMA, in denen sich die Bewohner der Bunker auf den Gesellschaftsplätzen versammeln, um eine ziemlich skurrile Cocktailparty zu feiern (am Ende von Alphard 3) oder den Beginn des Babalon-Spiels zu zelebrieren (Alphard 8). Um mich in derartige Kulissen mit zahllosen Menschen, Gesprächen und Gebärden hineinzuversetzen, und um treffende Dialoge zu finden, brauche ich Musik, die wie ein Soundtrack im Hintergrund läuft. Dazu ziehe ich mich mit Block und Stift bewaffnet ins Wohnzimmer zurück, wo ich ein und dieselbe Szene wieder und wieder geistig durchdenke und durchlebe, immer ein wenig modifiziert, mit variierenden Handlungsabläufen und sich daraus neu entwickelnden Gesprächen der Protagonisten. Von den interessantesten Handlungen, Gedanken und Dialoge mache ich mir währenddessen Notizen. Musik und Schreiben harmonieren bei mir in einer sehr durchdringenden Art und Weise, an die sich meine Mitmenschen erst gewöhnen müssen. Meine Freundin beispielsweise akzeptiert inzwischen, daß ich oft stundenlang scheinbar nichts anderes tue, als hinter geschlossenen Türen im Sessel zu sitzen und Musik zu hören - manchmal ein und dasselbe Lied in Endlosschleife, weil es gerade just die Stimmung erzeugt, die ich für eine ganz bestimmte Textpassage brauche ... Wenn du es so nennen willst, bestehen meine Bücher aus Musik. Meine Erzählung Die Stille nach dem Ton beispielsweise ist nichts anderes als meine literarische Reflexion eines UNDERWORLD-Songs namens Dirty Epic. Michael Marrak: Alain Jorgensen von MINISTRY sagte einmal in einem Interview etwas, das hervorragend zu LORD GAMMA passt. Auf die Frage des Interviewers, wie denn ein MINISTRY-Song funktioniere, antwortete er: "Du machst den Drumcomputer an, drehst den Sound auf, und dann brrrrrrrrrrRatatatatatatatatata … Yeah!" Ich habe auch lange über IMAGON nachgedacht, aber ich bin ehrlich: Während LORD GAMMA viele Melodien in sich vereint, finde ich für IMAGON keine einzige. Carpenters Soundtrack zu "The Thing" würde sehr gut dazu passen: Dumpfe Bassschläge, durchsetzt von Wind und vereinzelten Soundtupfern … Ich habe nur verfremdete Geräusche im Kopf, das Piepsen lebenserhaltender Maschinen, das rhythmische Hecheln der Inuit, Trommeln. Etwas Atonales, aufbrandende und wieder abklingende Töne eines Orchesters, aber keine Melodie. Michael Marrak: Ursprünglich war eine Veröffentlichung in der Allgemeinen Reihe geplant, doch dann hieß es von Lübbe plötzlich: "Oh je, wir haben so schlechte Erfahrungen mit unserer Lovecraft-Anthologie gemacht ..." usw. (Nebenbei: Sie verkaufte sich für eine Lovecraft-Antho ziemlich gut, aber eben nicht gut genug für ein Buch der Allgemeinen Reihe ...) Daraufhin kniff der Verlag und steckte IMAGON zurück in die SF-Reihe, was mir überhaupt nicht paßte. Die Genre-Verschiebung warf meine gesamten Pläne über den Haufen, denn zu dieser Zeit schrieb ich bereits seit Monaten an einem Roman, der für die Allgemeine Reihe konzipiert war ... Der gefiel Lübbe auch prompt nicht, obwohl er ähnlich wie IMAGON in den Wissenschafts-Horror-SF-Bereich geht. Mein Lektor wünscht sich für 2005 lieber noch einen Roman, der eindeutiger in die SF-Reihe paßt. Nun ja ... Michael Marrak: Kurzes Statement vorweg: Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, als mache mir die Arbeit am aktuellen Projekt keinen Spaß, weil es sich dabei vermeintlich nur um einen Ersatzroman handelt. Im Gegenteil. Nachdem Lübbe den oben erwähnten Roman abgelehnt hatte, machten wir einen Deal: Ich schreibe ihnen das Buch, das sie bereits seit drei Jahren (denn so lange liegt ihnen ein ganz bestimmtes Exposé bereits vor) unbedingt für die Allgemeine Reihe haben wollen. Im Gegenzug dafür darf ich mich mit dem aktuellen Roman noch mal so richtig austoben. Und nichts anderes tue ich gerade. Das Buch, an dem ich derzeit arbeite und das im Frühjahr 2005 erscheinen wird, trägt den Arbeitstitel ABYDOS; ein reiner Tarntitel, der verständlicherweise vom eigentlichen Projekt ablenken soll (der endgültige Titel steht längst fest) und ebensowenig etwas mit der Fernsehserie Stargate zu tun hat. Nicht einmal der Verlag weiß genau, was da auf ihn zukommt. Außer den ersten drei Kapiteln und einer groben mündlichen Inhaltsangabe kennen sie nichts. Lübbe hat (auch was das 2006 erscheinende Nachfolgeprojekt für die Allgemeine Reihe betrifft) beinahe so etwas wie blindes Vertrauen, und dafür bin ich ihnen mächtig dankbar. Das ist etwas, das ich bei einem so großen Verlag eigentlich für undenkbar hielt. Michael Marrak: Ein Buch, sie alle zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden ... Michael Marrak: Hell is where the action is ... (LEGENDARY PINK DOTS) Michael Marrak: Um mich in die Welt von ABYDOS hineinzuversetzen, höre ich sehr oft THE DOWNWARD SPIRAL und THE FRAGILE von den NINE INCH NAILS. Im Grunde könnte man jeden Song von THE DOWNWARD SPIRAL für einen ABYDOS-Soundtrack verwenden. Vor allem Reptile ... Michael Marrak: Tatsächlich? Na ja, jetzt wo Du's sagst ... Gut, lassen wir eben die Katze aus dem Sack: Alles begann damit, daß IMAGON wie erwähnt nicht in der Allgemeinen, sondern in der SF-Reihe erscheinen soll. Ich selbst wollte nach IMAGON, dessen Handlung ja bereits auf meiner Novelle Der Eistempel beruht, keinesfalls altes Essen aufwärmen, sondern etwas Neues schreiben. Das Skript und das Exposé, das ich dafür meinem Agenten Mitte 2003 vorstellte, stieß auf ebensoviel Überraschung wie Begeisterung und ermutigte mich, an dem Projekt weiterzumachen. Als die Agentur den Roman, der zum damaligen Zeitpunkt zu einem Drittel fertig war, schließlich meinem Lektor schickte, war dieser zur Verwunderung aller gar nicht so angetan davon. Er meinte, der Stoff säße ihm angesichts der angespannten Buchmarktlage genremäßig zwischen zu vielen Stühlen. Obwohl die Geschichte teilweise im Jahr 1911 spielt, sei sie weder eindeutig ein historischer Roman, noch eindeutig SF oder Phantastik. Im Verlagsprogramm sehe man für das Buch daher keine Chance und verschob es auf unbestimmt Zeit. Mein Agent bot mir daraufhin spontan an, einen neuen Verlag zu suchen, aber ich lehnte ab. Lübbe hingegen wollte für 2005 unbedingt einen neuen Roman; jedoch vorzugsweise einen, der eindeutiger in ihr SF-Programm paßt. Ich hatte Stefan Bauer bei meinem Besuch im Verlag erklärt, etwas gänzlich Neues könne ich innerhalb so kurzer Zeit (schon aufgrund der noch immer währenden Probleme mit meinem Handgelenk) nicht abliefern. Das einzige, was ich ihm anbieten könne, wäre eine stark überarbeitete Neuversion von DIE STADT DER KLAGE, an der ich bereits seit längerer Zeit (im Grunde bereits seit vier Jahren) nebenher sporadisch arbeite und die zur Hälfte fertig sei. Das Brisante dabei: Ausgerechnet Stefan Bauer war es einst gewesen, der den Originalroman 1998 (verständlicherweise) abgelehnt hatte ... Michael Marrak: Daß es, was Motiv, Konzept und Handlungsbogen betrifft, ein völlig neuer Roman wird - oder besser gesagt: Daß er wieder zu dem wird, was er einst war. Ursprünglich sollte DIE STADT DER KLAGE 1997 und 1998 als Zweiteiler erscheinen, mit den Subtiteln LAMENT und LEGION. Dies scheiterte jedoch am schmalen Budget der Edition Mono, so daß ich für die damalige Veröffentlichung die eigentlich weitaus längere Geschichte zu einem Einzelband zusammenstreichen mußte (wodurch das Ganze wie ein Episodenroman wirkt, mache Kapitel an der falschen Stelle zu stehen scheinen und das Ende sehr abstrus geworden ist). Nicht einmal das Cover konnte aus Kostengründen vierfarbig gedruckt werden. Um die gestrichenen Kapitel des eigentlichen zweiten Teils nicht gänzlich verloren zu geben, bastelte ich aus ihnen die Novelle Bruder Oz und vermengte sie mit ideologischen Ansätzen aus George Orwells 1984. Obwohl ich das Ergebnis für ebenso konfus halte wie den kastrierten DIE STADT DER KLAGE-Originalroman, erreichte Bruder Oz damals den 2. Platz des Kurd Laßwitz-Preises. All das erklärte ich also Stefan Bauer, und auch, daß die besagte Neuversion gänzlich revidiert und doppelt so lang sein würde wie das Original von 1997. Als ich ihm zudem die grobe Handlung des Romans schilderte, outete Stefan sich als begeisterter Leser von Larry Niven und Jerry Pournelles DAS ZWEITE INFERNO. Ich meinte, na dann würde ihm der Roman zweifellos gefallen, und die Sache kam ins Rollen. Eine Woche später schickte ich ihm die ersten Romankapitel zur Ansicht. Er las sie und sagte zu meiner Überraschung: Yap, machen wir! Leider wird ABYDOS aber auch diesmal kein Zweiteiler, sondern ein dicker, in sich abgeschlossener Einzelband. Er beinhaltet jedoch erstmals die vollständige Geschichte und weitaus mehr SF-Elemente als früher. Für mich geht mit dieser Quasi-Neuveröffentlichung nicht nur ein langjähriger Wunsch in Erfüllung, sondern es schließt sich im wahrsten Sinne des Wortes ein langjähriger Schaffenskreis. 2006 gibt's dann wirklich etwas Neues. Michael Marrak: Ach ja, die Collection … Das ist leider auch so ein Langzeitprojekt geworden. Eigentlich hätte sie ja bereits vor vier Jahren unter dem Titel LORD GAMMA bei Shayol erscheinen sollen, doch dann wurde die namensgebenden Kurzgeschichte immer umfangreicher und mutierte schließlich zum Roman, der die Sammlung kurz und schmerzlos platt machte. Nachdem Ende 2002 IMAGON erschienen war, erinnerte sich Frank an das Projekt und meinte: Laß uns das doch für nächstes Jahr bei Festa als Taschenbuch andenken. Aus gesundheitlichen Gründen mußte ich das Projekt jedoch auf 2004 verschieben, und aus termintechnischen Gründen schließlich auf Frühjahr 2005. Zumindest haben wir diesen Zeitpunkt bei unserem letzten Telefonat ins Auge gefaßt. Immerhin haben Frank und ich uns bereits auf das Titelbild geeinigt, und auch die Liste der Storys, die ich in die Sammlung aufnehmen möchte, ist abgesegnet. Man kann das Buch als Retrospektive aller Erzählungen der letzten zehn Jahre betrachten, wobei Der Eistempel und Bruder Oz aus naheliegenden Gründen nicht mit dabei sein werden. Inzwischen sind Frank und ich soweit, daß ich - sofern ich es zeitlich schaffe - pro Monat mindestens eine fertig überarbeitete Erzählung an ihn schicke. Drei Storys hat er inzwischen, zwölf werden im Buch enthalten sein. Allerdings besitzt es noch keinen Titel, und auch die Originalstory für die Sammlung ist noch nicht fertig. Vielleicht sollte ich ihr einen ähnlichen Namen geben wie dereinst LORD GAMMA, dann mutiert sie womöglich auch zu einem Erfolgsroman … REVEREND ATOMIC, oder so ... Michael Marrak: Yap, als direkte Fortsetzung zur neuen Version von "The Blob". Michael Marrak: Ich muß dir jetzt die ernüchterndste aller Antworten geben: Ich weiß es nicht (mehr). Das erste Kapitel des Romans (Alphard 1), in dem ein Großteil dessen, was du angesprochen hast, bereits einleitend erwähnt und geschildert wird, entstand als unzusammenhängende Ansammlung von Notizen für eine geplante Kurzgeschichte namens Die Nikolai-Menschen. Zwar wurde darin noch niemand erschossen und das Auto besaß einen Motor, aber es gab bereits die ewig abwärts führende Straße und die sich ständig wiederholende, radioaktiv verseuchte Landschaft. Ursprünglich war die Geschichte in Rußland angesiedelt (der Name Stan Ternasky zeugt noch davon) und statt der Bunker existierten große Wagenburgen, die nicht alle 180 Kilometer, sondern erst alle 1600 Kilometer jenseits der Straße auftauchten. Es gab auch schon so etwas wie einen herrschenden Lord namens Nikolai (später im Roman: Nikobal) und eine geheimnisvolle Stimme aus dem Radio, den Munkler. Den Ansporn, aus diesen Notizen tatsächlich eine Geschichte zu machen, erhielt ich, als ich ein paar Tage später mit dem Auto nach Hause fuhr und versehentlich einen amerikanischen Militärsender einschaltete. Die Musik ging zu Ende, und der Moderator begann zu quasseln: "Hi Freaks, here is Radio Dingsda, ... (blablabla)." Er redete eine Minute lang in beachtlicher Geschwindigkeit über Gott, die Welt und das Wetter. In diesem Augenblick machte es in meinem Kopf ziemlich laut ‚Klick!'. Ich war noch zehn Kilometer von zu Hause entfernt. In meinen Gedanken entstanden Textstellen und Dialoge. Ich versuchte sie irgendwie im Kopf zu behalten, drückte aufs Gas und wollte nur noch nach Hause an den Computer ... Michael Marrak: Die Landschaft. Ich wollte für die sich endlos wiederholenden Highway-Abschnitte unbedingt diese typische, menschenleere amerikanische Wüstenlandschaft mit ihren endlosen, schnurgeraden Straßen, wie sie fast nur in Gegenden wie Nevada, Arizona oder Oregon zu finden ist. Wie erwähnt war die Geschichte ursprünglich in Rußland angesiedelt, doch die dortigen Ortsnamen usw. waren mir dann doch zu strange und zu unleserlich. Außer dem amerikanischen Westen blieben nicht viele weitläufige, von der Zivilisation geprägte Wüstenabschnitte übrig (Europa ist zu eng besiedelt, um die Geschichte hier spielen zu lassen, Afrika zu exotisch, Feuerland und Patagonien zu kalt), also verlegte ich alles in den amerikanischen Westen und die Vorgeschichten der Protagonisten in die USA. Michael Marrak: LORD GAMMA hat sich während des Schreibens von selbst zu einem sehr amerikanisch anmutenden Buch entwickelt. IMAGON hingegen erzählt die Geschichte eines dänischen Wissenschaftlers in Grönland. Es kommt also nicht unbedingt auf die angestrebten internationalen Standards an, die ein Buch "amerikanisch" machen, sondern eher auf das Spielfeld der erzählten Geschichte. Seit der Veröffentlichung bei Lübbe habe ich leider den zweifelhaften Ruf weg, als der amerikanischste aller deutschen SF-Autoren zu gelten. In vielen Leserbriefen, die ich zu LORD GAMMA erhalte, werde ich gefragt, warum die Hauptperson Amerikaner sei, und ob die Handlung unbedingt einen "Cowboy-Charakter" erfordern mußte. Ein Großteil dieser Ablehnung hängt sicher damit zusammen, daß sich seit den hegemonischen Eskapaden eines George W. Bush eine recht anti-amerikanische Grundstimmung in unserer Gesellschaft entwickelt hat. Ich schließe mich davon nicht aus. An einen internationalen Standard dachte ich 1999, als ich den Roman schrieb, überhaupt nicht. Die Originalauflage entstand für einen Berliner Kleinverlag und betrug lediglich 300 Exemplare. Das sich daraus mal ein "Lesetipp des Monats" bei Bastei-Lübbe entwickeln würde, davon träumte ich nicht einmal. Man erzählte mir damals, nachdem das Buch bei Lübbe erschienen war, von einer LORD GAMMA-Buchvorstellung im Süddeutschen Rundfunk, bei der mein Name bemüht englisch ausgesprochen wurde. Offenbar hielt man mich tatsächlich für einen Autor aus Übersee. Michael Marrak: Deutsche Autoren verlassen nicht gerne ihre eingeschlagenen, teils schon ausgetretenen Pfade, und das Genre-Kategorisieren der Verlage sowie das hiesige Schubladendenken ermutigen sie auch nicht gerade dazu. Amerikaner sind da ungezwungener, teils aber auch einfältiger im Erzählen. Sie lassen eine Geschichte einfach nur eine Geschichte sein und wechseln auch mal das Genre, um sich selbst zu verwirklichen. Ihr Fehler allerdings bleibt, das die Welt für sie meistens nur aus Amerika besteht - mit sporadischen Grenzübertritten nach Kanada oder Mexiko. Ihre Vorstellung der restlichen Welt bedient zumeist Klischees. Nehmen wir als Beispiel Venedig (auch aktuell im Film THE LEAGUE OF EXTRAORDINARY GENTLEMEN zu sehen): Kommt ein Amerikaner nach Venedig, feiern die Menschen in der Stadt Karneval. Und das ständig. Ob im Sommer oder im Winter, der Venezianer tanzt mit der Maske vor dem Gesicht. Alle Bürger tummeln sich natürlich auf dem Markusplatz, derweil der Rest der Stadt wie ausgestorben wirkt. Und jene, die tatsächlich nicht feiern, blasen entweder Glas oder fahren Gondel. Die übrigen amerikanischen Volksvorstellungen sind nicht minder reduziert. Der Deutsche trägt Lederhose und eine Dose Sauerkraut mit sich herum wie Poppey seinen Spinat. Der Franzose rennt mit Baguettes und Croissants durch die Straßen, der Russe mit Wodka und Kaviar und der Palästinenser mit Sprengstoff. Engländer sind schon etwas komplizierter, irgendwo angesiedelt zwischen amerikanischer Cowboy-Mentalität und deutscher Gesellschaftsreflexion. Deutsche Autoren haben in ihren Büchern meist soviel öko-sozialen Ballast und trübseligen Tiefgang, daß sie regelmäßig auf Grund laufen. Ich fürchte, das ist wieder eine dieser Faß-ohne-Boden-Fragen. Reduzieren wir mal alles auf die jeweilige Denkweise: Amerikaner: naiv. Engländer: komplex. Deutsche: problematisch. Michael Marrak: Solange man literarische Schmuddel-Strohfeuer wie Effenberg, Bohlen oder Feldbusch außer acht läßt, gilt nach wie vor die Devise: wirb oder stirb! Ein Buch verkauft sich nicht, solange niemand etwas davon weiß. Selbst auf das spannendste oder literarisch anspruchvollste Werk muß man erst einmal aufmerksam gemacht werden. Natürlich gibt es Möglichkeiten, ein Buch erfolgreich zu vermarkten, aber die Fäden dafür hat selten der Autor in der Hand, schon gar nicht, wenn er gänzlich unbekannt ist. Bei einem Schriftstellerdebüt oder einem noch mäßig bekannten Autor kommt es auf das richtige Produktplacement an, und natürlich auf die Werbemaschinerie, die für seine Veröffentlichung in Gang gesetzt wird. Bei Autoren wie Follett, Mankell, King, Grisham oder hierzulande Eschbach verkauft sich ab einem gewissen Bekanntheitsgrad irgendwann allein der Name. Daß sie aber überhaupt erst zu Bestsellerautoren wurden, verdanken sie der jahrelangen Aufbauarbeit ihrer Verlage. Was das Vorausplanen von Erfolg betrifft: Unverbesserliche Optimisten können sich natürlich an sämtliche Regeln und Richtlinien halten, die ihnen von etwaigen Büchern wie FABULIEREN LEICHT GEMACHT, SO SCHREIBEN SIE EINEN BESTSELLER! oder MORGEN SIND SIE STARAUTOR! unter die Nase gerieben werden. Ob Sie tatsächlich Erfolg damit haben, ist fraglich. Ich halte es keinesfalls für falsch, Schreibfibeln wie jene von James N. Frey oder Sol Stein zu benutzen; allerdings nur als Leitfaden, nicht als Erfolgsrezept. Ein Roman sollte mit Herz geschrieben werden, nicht nach einem literarischen Schnittmusterbogen. Das Bestreben - oder nennen wir es einen inneren Zwang - unbedingt ein unwiderstehlich erfolgreiches Busch schreiben zu wollen, bedeutet in meinen Augen das Ende jeglicher schriftstellerischen Kreativität. Michael Marrak: Schreiben ist für mich eine sehr intensive Erfahrung, und diese Stimmung fließt automatisch in meine Bücher mit ein. Ich halte das auch keineswegs für einen Fehler. Viele Bestseller wurden in der Ich-Form geschrieben: FIGHT CLUB von Chuck Palahniuk, DER NAME DER ROSE von Umberto Eco, DER PLAN VON DER ABSCHAFFUNG DER DUNKELHEIT von Peter Hoeg, BRINGING OUT THE DEAD von Joe Connelly, DIE WESPENFABRIK von Iain Banks oder DIE ASCHE MEINER MUTTER von Frank McCourt. Ich könnte Hunderte von Werken aufzählen, die in den Bestsellerlisten standen und in der ersten Person verfaßt wurden. Die Ich-Form kann folglich kein Erfolgshindernis sein. Allerdings beschränkt sie die Romanhandlung auf die Erlebnisse des Ich-Erzählers, was viele Leser schnell langweilt. In dieser subjektiven Erzählperspektive kann man keine Schauplätze betreten, die der Ich-Erzähler nicht gesehen hat. Über das ferne Schmieden von Intrigen und Komplotts beispielsweise kann dieser nur mutmaßen. Ein Autor, der in Ich-Form schreibt, ist zweifellos in seinem erzählerischen Spielraum eingeschränkt - es sei denn, er entscheidet sich für eine Art Wechselperspektive, die in parallelen Handlungssträngen wiedergegeben wird. Diese könnten dann sozusagen als "aktuelle Rückblenden" einfließen; als Geschehnisse, die dem Protagonisten am Ende der von ihm beschriebenen Erlebnisse erzählt wurden und die er somit in seinem Bericht (denn nichts anderes kann ein Roman in Ich-Perspektive sein) in dritter Form wiedergeben kann. Der Streit um die erfolgsträchtigste Erzählperspektive ist eine dieser Kontroversen, die irgendwann immer ins Leere laufen. Viele Leser bevorzugen die dritte Person, weil sie von vornherein Distanz zu den Protagonisten wahren möchten. Ebenso viele bevorzugen die erste Person, da ihre Perspektive ihnen erlaubt, intensiver am Geschehen teilzunehmen und sich in die Gefühlswelt des Ich-Erzählers hineinzuversetzen. Es sind zwei Gruppen: Die einen gehen auf Menschen zu um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, die anderen wahren Distanz und beobachten lieber alles aus der Ferne. Insofern spiegelt die Lesevorliebe auch die Psyche des Lesers wider; Kontaktfreudigkeit oder Zurückgezogenheit, Vertrauen oder Angst … Vielleicht ist diese "Erfolgsregel" ja wieder nur so ein typisch deutsches Ding. Michael Marrak: Absolut egal. Aber ich würde auf U-Schreiber tippen, mit gelegentlichen Anfällen von E, die in einem phantastischen Roman sowieso niemand wahrnimmt … Michael Marrak: Nun ja, diese Sache mit China war zwar lustig, aber kaum als Erfolg zu werten, eher als ambitioniertes Anthologieprojekt eines engagierten Fans aus Shanghai. Leider habe ich nach der Veröffentlichung des Buches nie wieder etwas von ihm gehört. Was das übrige Ausland betrifft, kann ich leider nichts Neues berichten. Auf meine Nachfragen für dieses Interview hieß es, den Griechen sei (laut meiner Agentin für die Auslandsrechte) die komplette Festplatte mit allen Texten abgestürzt. Dänemark, Rußland und Italien regen sich seit Monaten bzw. Jahren nicht mehr oder jammern über ihr eingedampftes Phantastik-Programm. Und LORD GAMMA ist noch nicht lange genug auf dem französischen Markt, um von Erfolg oder Flop zu sprechen. Zumindest sind bisher so viele Bücher verkauft worden, dass ich meinen Vorschuss wieder drin habe (bzw. in der Gewinnzone angekommen bin). Der Verlag meinte dazu, das Buch laufe nicht schlecht, aber es erreiche keine Pratchett-Dimensionen. Was immer das auch heißen mag. Ob IMAGON ebenfalls ins Französische übersetzt wird, weiß auch der Verlag noch nicht so genau. Sie warten auf die überarbeitete Lübbe-Taschenbuchausgabe. Kurz und gut: Die ausländischen Mühlen mahlen sehr, sehr langsam. Michael Marrak: Das Interesse verloren trifft es wohl am ehesten. Oder sagen wir mal so: Es ist nach wie vor vorhanden, aber das Interesse am Schreiben ist das unvergleichbar Dominantere geworden. Man darf dabei auch nicht vergessen: Ich bin/war Gafiker und Illustrator, kein Kunstmaler. Und, so schön eine derartige Gabe auch sein mag, sei ehrlich: Hast du schon mal gehört, daß es heißt: Würden Sie uns bitte einen Roman zum neuen Gemälde von X oder Y schreiben? Oder: Haben Sie nicht Lust, ein neues Rock- oder Popalbum zum neuen Cover von Z aufzunehmen? Ich nicht. Illustration und Grafik tanzten schon immer in der zweiten oder dritten Reihe. In der Regel garnieren sie etwas Größeres, Mächtigeres, das auch ohne sie Bestand hat. Vielleicht ist es ein wenig wie mit der Henne und dem Ei, aber nach meiner Erfahrung wird zuerst der Text oder die Musik erschaffen, dann folgen - inspiriert davon - die Bilder. Es gab bisher nur wenige Ausnahmen. Natürlich bedeuten sowohl Literatur als auch Illustration Schöpfung, beiden liegt eine Idee zugrunde, beides entsteht durch Kreativität und Talent. Aber man erkennst den Stellenwert von Covern und Illustrationen an Büchern, die bereits ein paar Jahre auf dem Buckel haben: Der Text bleibt der selbe, lediglich das Titelbild wechselt alle paar Jahre. Vergleiche es mit der Halbwertzeit von Radionukliden; Strontium 90 für Grafik, Plutonium für Literatur. Die radioaktive Strahlung von Strontium ist nach 12 Jahren gleich null, bei Plutonium erst nach fast 25.000 Jahren. Als ich mich entschloß, Schriftsteller zu werden und nicht Illustrator, hatte ich den Wunsch, das zu perfektionieren, was die längste Halbwertzeit besitzt. Natürlich juckt es mich hin und wieder noch in den Fingern, wodurch sporadisch einige freie Illustrationen oder Titelbilder entstehen. Das Cover für IMAGON selbst war und ist ja so ein Fall, oder das Titelbild zu Phantastisch 7. Wenngleich ich mich zum IMAGON-Cover damals mehr oder minder genötigt sah … Michael Marrak: Yap. Frank Festa wollte mir unbedingt ein Covermotiv aufschwatzen, das Basil Copper zuvor für seinen Roman DIE EISHÖLLE abgelehnt hatte. Ich sagte Frank, daß ich keine Lust dazu hätte, die abgelehnten Titelbilder anderer Autoren aufzubrauchen, zumal das Cover überhaupt nicht zu IMAGON gepaßt hätte (es wird nun übrigens DIE XOTHIC-LEGENDEN von Lin Carter zieren). Festas Stammillustrator babbarammdass litt zu dieser Zeit an chronischer Überbelastung und Ideenlosigkeit (was man an dem recht bescheidenen endgültigen Copper-Titelbild sehr gut erkennen kann …), daher bot ich Frank an, das Cover lieber selbst zu gestalten. Michael Marrak: Bilal ist neben Sergio Toppi mein Lieblings-Comiczeichner. Seine Technik ist schlichtweg genial. Ich selbst habe leider absolut kein Händchen für Comic-Techniken, bringe es einfach nicht fertig, ein Bild oder eine Figur (leicht modifiziert) auf dem Papier ein zweites Mal zu erschaffen, ohne mich dabei zu langweilen. Da müßte tatsächlich jemand für mich das Zeichnen übernehmen und meine Storys in Bilder umsetzen, damit so etwas ähnlich Beeindruckendes entsteht wie z. B. im Zyklus DIE GEHEIMNISVOLLEN STÄDTE von François Schuiten und Benoît Peeters. Gedacht habe ich an eine derartige Co-Produktion sehr oft, und ich kenne viele Autoren, die diese Gedanken mit mir teilen. Im weitest gehenden Sinne gab es mit den IMAGON-Illustrationen, bei denen Dirk sich verdammt nah an die literarische Vorlage gehalten hat, bereits einen ersten Schritt in diese Richtung. Von einem Text-Bildband im Comic-Stil träume ich jedoch weiter ... Michael Marrak: Für mich - respektive meine Psyche - ist es wichtig, ab und an zu neuen Ufern aufzubrechen, denn Jahr für Jahr denselben Trott ertrage ich nicht. Das habe ich seit meinem Umzug in den Norden vernachlässigt und die Konsequenzen immer intensiver gespürt. Der Wunsch, endlich wieder etwas Neues zu machen, wurde immer größer, während das Schreiben allein an Reiz verlor. Ich habe bereits früher hin und wieder Musik gemacht, aber nie mit einem besonderen Zielbewusstsein. Ein musikalisches Projekt - sozusagen als Soundtrack zu einem Buch - ist inzwischen tatsächlich in Planung, aber da wir erst in der Denkphase und dem Ausloten der Möglichkeiten sind, möchte ich darüber noch nichts verraten. Michael Marrak: Derart profane Dinge, das ich hier niemanden damit langweilen möchte. Seit Schottland bin ich zum Eremit geworden. Oder um es mit den Worten meiner Hauptfigur aus IMAGON zu sagen: "Ich hasse den Winter!" Frag mich im Frühling noch mal. Michael Marrak: "Menschen, die nur unvollständig in Erscheinung treten, geben uns die gleichen Rätsel auf wie Leute, die in Schachteln gefunden werden, oder unter Parkbänken. Ebenso ergeht es uns mit Lippen oder Augen, die unter Kinosesseln kleben, als wären es Kaugummi, oder Füße, die noch in ihren Schuhen stecken und zwischen zugeschlagenen Türen klemmen." (Terry Bisson, TEILMENSCHEN) "Es war der Tag, an dem meine Großmutter explodierte." (Iain Banks, STRAßE DER KRÄHEN) "Ich dachte über meinen Tod nach." (Larry Niven/Jerry Pournelle, DAS ZWEITE INFERNO) "Gefangen. Zermalmt. Druck von allen Seiten. Ins Wrack verwickelt (Sie müssen eins mit der Maschine werden). Bitte, kein Feuer, kein Feuer. Scheiße! Das tut weh." (Iain Banks, DIE BRÜCKE) Es gibt da übrigens ein nettes kleines Büchlein aus dem leider verblichenen Haffmanns Verlag namens ROMANANFÄNGE - RUND 500 ERSTE SÄTZE, zusammengetragen von Harald Beck. Teils sehr lustig und hintersinnig ... Wie etwa: "Das merkwürdige an einem Loch ist der Rand" (Kurt Tucholsky). Michael Marrak: Stimmt, aber ich habe ein gutes Gedächtnis ... ;-) Michael Marrak: Ich habe zu danken. Dieses Interview erschien im August 2004 in MEPHISTO # 26. © Copyright by MEPHISTO 2004 Fenster schließen |